28.09.10 22:26 Alter: 2 yrs
Billigflieger kauft zu
Kategorie: News
In den letzten Jahren haben die Billigairlines eine eigentliche Boom-Phase erlebt. Sie konnten den etablierten Airlines innerhalb von nur wenigen Jahren sehr viele Marktanteile abjagen. Die Mutter aller Billigflieger, die Southwest möchte nun schnell wachsen und begibt sich auf eine Milliardenschwere Einkaufstour.
Billigflieger sind bekannt dafür die Kosten möglichst tief zu halten und langsam und selbsttragend mit entsprechend kleinem Risiko selber zu wachsen. Die Mutter der Billigflieger, die Southwest möchte nun allerdings etwas für Billigflieger untypisches tun und für mehre Milliarden andere Fluggesellschaften erwerben. Dies wird bei den anderen Billigflieger skeptisch aber mit grossem Interesse verfolgt.
In den letzten Jahren kam es auf dem Flugmarkt zu zahlreichen Umstrukturierungen. Viele grosse Airlines haben fusioniert und ihre Marktmacht gebündelt. So etwa British Airways mit Iberia. Die Lufthansa mit der Swiss oder Air France mit der niederländischen KLM. Fusionen bei Billigflieger beispielsweise zwischen Easyjet und Ryanair waren nie im Gespräch. Es waren die etablierten grossen Linienfluggesellschaften welche sich zusammen schlossen. Doch nun sorgt eine Meldung für Aufregung unter den Low-Cost-Anbietern. Die Mutter aller Billigairlines, die Southwest möchte nicht mehr nur aus eigener Kraft wachsen, wie dies bisher üblich war sondern möchte für viel Geld andere Airlines aufkaufen. So möchte sie gemäss einer Meldung der ftd.de die kleinere Airline AirTran schlucken. AirTran ist eine deutlich kleinere Gesellschaft. Die Aktionäre von ihr konnten sich freuen. Die Börse reagierte euphorisch auf die Ankündigung eines Zusammenschlusses. Der Kurs von AirTran ging zeitweise um bis zu 62 Prozent in die Höhe. Auch die Aktie von Southwest konnte zulegen und schloss ebenfalls deutlich höher.
Für den Kauf zahlt Southwest angeblich einen Kaufpreis von 1.4 Milliarden Dollar, welcher in bar und durch eigene Aktien beglichen werden soll. Damit schliessen sich nun zum ersten mal zwei Billigairlines zusammen. Bereits jetzt wird über weitere Fusionen spekuliert. Bereits vor kurzem gab es in Amerika bereits eine grosse Fusion in der Luftfahrtbranche. Continental und United Airlines schlossen sich zur grössten Fluggesellschaft der Welt zusammen. In den letzten Jahren kamen viele Airlines stark unter Druck. Diverse Gesellschaften schrieben rote Zahlen und kämpften sowohl mit sinkenden Ticketpreise und tieferen Passagierzahlen. In Folge der Wirtschaftskrise verzichteten viele Geschäftsleute auf nicht unbedingt notwendige Flüge oder flogen wenn dann Economy und nicht mehr Business-Class. Traditionelle Airlines wie British Airways kamen stark unter Druck. Viele Fluggesellschaften glauben mit dem Zusammenschluss an Marktmacht zu gewinnen und ihre Positionen so besser verteidigen zu können. In jüngster Zeit kamen auch um Air Berlin Gerüchte einer möglichen Fusion in Umlauf. So soll gemäss einigen Berichten British Airways Interesse bekundet haben. Doch Air Berlin dementierte Fusionsgerüchte umgehend.
Selbst wenn an den Gerüchten etwas dran sein sollte handelt es sich bei Air Berlin nicht um einen klassischen Billigflieger. Die zweitgrösste deutsche Fluggesellschaft fährt vielmehr eine Doppelstrategie und möchte guten Service zu vergleichsweise günstigen Preisen anbieten. Im Gegensatz zu Ryanair und Easyjet fliegt Air Berlin hauptsächlich die stadtnahen und bekannten Flughäfen an und verzichtet auf kleinere, billigere Regionalflughäfen.
Etablierte Airlines lernen von Billigflieger
Mit konsequentem Kostenmanagement und vielen Optimierungen in verschiedenen Bereichen ist es den Billigflieger gelungen ihre Kosten zu senken und deshalb Preise weit unter dem damals bekannten Preisniveau anzubieten. So wurden beispielsweise die Standzeiten an den Flughafen optimiert und mit den Zulieferern die Abläufe in der Belieferung und der Abfertigung optimiert. Ausserdem strich man beim Personal viele Extrakosten. So konnte man Flugtickets zu sensationell günstigen Preisen anbieten. Doch auch die etablierten Liniengesellschaften haben ihre Lektion gelernt und ihre Kosten ebenfalls optimiert. Mit den gesunkenen Kosten sind sie nun ebenfalls in der Lage um die Gunst der kostenbewussten Flugpassagiere zu buhlen und den Billigairlines wieder Marktanteile abzujagen. Dies dürfte ein weiterer Grund dafür sein, dass sich die Billigairlines nun vermehrt auf die Suche nach Alternativen, nach anderen Geschäftsstrategien machen.