18.12.09 21:45 Alter: 2 yrs
Billigflieger sind nicht aufzuhalten
Kategorie: News
Auch während der momentanen Wirtschaftskrise konnten die Billigflieger weiter zulegen und Gewinn erwirtschaften. Die Billigairlines wie Ryanair, Easyjet und Air Berlin, so scheint es, haben weit weniger Probleme als die renommierten Fluggesellschaften.
Viele traditionelle Fluggesellschaften kämpfen zur Zeit mit Problemen. Sinkende Buchungszahlen führen zu teils hohen Verlusten. Gut zurecht kommen die Billigflieger mit der angespannten Wirtschaftslage. Sie konnten auch im vergangenen Jahr ihre Marktanteile weiter erhöhen. In den letzten Jahren haben die Billigflieger den Flugmarkt aufgemischt und heftig durchgeschüttelt. Mittlerweile gibt es einige normale Airlines, welche das Konzept von Easyjet und Ryanair übernommen haben. Doch wie schaffen es die Billigflieger überhaupt Ticketpreise von 30, 40 Euro anzubieten? Wieso kostet ein Flug von München nach Barcelona nicht mehr als eine Taxifahrt durch die Grossstadt? Wie schaffen es die Billigfluggesellschaften die gleiche Flugstrecke für den halben Preis zu bedienen?
Die Billigflieger wie Easyjet setzen auf ein konsequenzes Kostenmanagement. Jedes Detail, welches kostentechnisch optimiert werden kann wird beachtet. Die Sitzabstände sind meistens etwas kleiner, so können mehr Passagiere untergebracht werden. Dass heisst die Kosten eines Fluges kann die Fluggesellschaft auf mehr Passagiere übertragen. So bezahlt der einzelne weniger. Doch diese Kosteneinsparung ist nur ein sehr kleiner Teil im Gesamtbild. Am meisten Kosten können die Billigflieger einsparen, indem sie die Standzeiten am Boden wesentlich verkürzt haben. Solange ein Flugzeug an einem Flughafen steht kostet es nur und bringt keinen Ertrag. Die Flugzeuge der Lufthansa etwa verbringen nur etwa ein drittel der Gesamtzeit in der Luft. Während der anderen Zeit werden Wartungsarbeiten durchgeführt, das Flugzeug beladen oder entladen und die Passagiere an Bord gelassen.
Die Billigflieger senken die Bodenzeiten massiv
Die Airlines welche im Billigpreissegment operieren versuchen alles um die Standzeiten möglichst kurz zu halten. So gibt es bei Ryanair beispielsweise keine feste Sitzplatzzuordnung. Die Flugpassagiere steigen ein und setzen sich einfach irgendwo hin, das umständliche und zeitintensive Suchen des eigenen Sitzplatzes entfällt dadurch und Ryanair hat wieder einige Minuten einsparen können. Ausserdem verzichten viele Billiganbieter bewusst auf Frachttransport. Der untere Teil des Flugzeuges wird meistens für den Transport von Fracht benutzt. Der Be- und Entladevorgang dauert allerdings ziemlich lange. Die Billigflieger wollen ihre Flugzeuge nicht so lange am Boden stehen lassen und verzichten bewusst auf den Transport von Fracht.
Weitere Einsparungen gelingen EasyJet und Ryanair, indem sie möglichst viele Arbeiten an den Kunden auslagern. So zwingen sie ihn zum Webcheck-In, indem sie teilweise sehr hohe Gebühren erheben falls normal am Flughafenschalter eingecheckt werden möchte. Auch gibt es Zusatzgebühren für weitere Gepäckstücke, das Bezahlen per Kreditkarte usw.
Mit diesen unterschiedlichen Massnahmen schaffen es die Billigflieger ihre Kosten massiv unter jenen der traditionellen Airlines zu halten. Tiefere Kosten führen dann automatisch zu tieferen Ticketpreisen. Auf die Sicherheit wird auch bei den Billigfliegern nicht verzichtet. Im Gegenteil zeigen einige Studien, dass die Billigflieger tendenziell, da sie oftmals eine jüngere Flugzeugflotte haben sogar weniger Abstürze und technische Probleme haben. Ausserdem wäre es ein grosser strategischer Fehler einer Billigairline bei der Sicherheit zu sparen. Ein Absturz eines Flugzeuges einer Billigairline würde noch mehr mit falschem Kostendruck bei der Wartung in Verbindung gebracht werden, wie dies bei einer normalen Airline der Fall ist. Das Management der Billigflieger weiss genau, dass ein solches Unglück der Airline das Genick brechen kann.
Das vergangene Jahrzehnt war jenes der Billigflieger
Begonnen hat die Erfolgsstory der Billigairlines in Europa mit Ryanair. In Deutschland startete die Revolution im Flugmarkt im Jahr 1999. Damals drang Ryanair nach Deutschland vor und flog vom ehemaligen Militär-Airport Hahn aus nach London-Standsted. Schon damals setzte Ryanair auf abseits der Grossstädte gelegene Flughäfen, welche deutlich tiefere Gebühren verlangten. So liegt beispielsweise der Militär-Airport Hahn gut hundert Kilometer von der Metropole Frankfurt entfernt. Trotzdem vermarktet Ryanair die Destination unbeirrt als "Frankfurt-Hahn". Das gleiche macht Ryanair übrigens auch an anderen Orten so wird beispielsweise der Flughafen Memmingen kurzerhand als "München West" betitelt.
Die erste Billigflugstrecke, welche von Deutschland aus bedient wurde war jene von Hahn nach London-Stansted. Damals kostete ein Hin- und Rückflug inklusive aller Gebühren gut 112 Mark, berichtet "spiegel.de". Wer einen Tag vor Abflug ein Ticket löste und mindestens eine Nacht blieb zahlte 211 Mark. Dies im Jahr 1999 also vor gut zehn Jahren, als die Flugpreise der traditionellen Airlines wie Lufthansa für Flüge nach London noch wesentlich höher lagen als heute.
Im Jahr 2000 lancierte Ryanair ein Webangebot. Die Erfolgswelle des Billigflieger war nun nicht mehr aufzuhalten. Hatten die Chefs der Lufthansa und British Airways zuvor immer wieder betont, man habe keine Angst vor der neuen Konkurrenz, der reduzierte Service komme bei den Kunden nicht gut an, wurde es ihnen nun zunehmend unwohl. Im Januar 2000 buchten erst 98'000 einen Flug mit Ryanair von Frankfurt-Hahn aus. Ein Monat später waren es, dank der neuen Internetseite von Ryanair, bereits 212'00 (Quelle Spiegel.de). In den nächsten Jahren kamen etliche andere Billigairlines hinzu und versuchten das Erfolgsmodell von Ryanair zu kopieren. Der Marktanteil der Billigflieger beträgt mittlerweile gut 30 Prozent. Ausserdem haben die Anschläge vom 11. September 2001 sowie die momentane Wirtschaftskrise gezeigt, dass die Geschäftsmodelle der Billigairlines durchaus auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten funktionieren, ja sogar meistens erfolgreicher sind als jene der etablierten normalen Airlines. In Zukunft wollen die Billigflieger auch vermehrt Geschäftsreisende anlocken. Gerade Easyjet und Air Berlin setzen auf diese Strategie. Sie haben, im Gegensatz zu Ryanair, vorallem grössere Flughafen nahe der Städte in ihrem Flugplan. Im innerdeutschen Flugmarkt möchte Air Berlin im kommenden Jahr die Lufthansa attackieren und bietet zwischen wichtigen Grossstädten in Deutschland täglich noch mehr Verbindungen an. Die Billigflieger haben erkannt, dass gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch viele Unternehmen sehr preis sensibel reagieren und für ihre Geschäftsreisen nach günstigeren Alternativen Ausschau halten.